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Kabotage erklärt: EU-Regeln, Folgen und Ihr Preis

Angenommen, Sie lassen ein Fahrzeug aus den Niederlanden nach Deutschland bringen. Der Lkw, der es ausliefert, steht nach dem Entladen mit freier Ladefläche in München. Naheliegend wäre, dass er gleich ein paar innerdeutsche Fahrten mitnimmt, bevor er zurückfährt. Doch das ist nur begrenzt erlaubt. Dahinter steht eine europäische Regel, die jeder Transporteur auswendig kennt und die bei Autounternehmen selten zur Sprache kommt, obwohl sie mitbestimmt, was Ihr Transport kostet und wie schnell er ankommt.

 

Diese Regel heißt Kabotage. In diesem Beitrag erklären wir, was sie ist, warum die EU sie reguliert und vor allem, was sie konkret für Ihre Lieferzeit und Ihren Preis bedeutet.

 

Was ist Kabotage?

 

Kabotage ist ein Inlandstransport, den ein Transporteur aus einem anderen Land im Anschluss an eine internationale Lieferung durchführt. Ein polnischer Transporteur, der ein Fahrzeug in den Niederlanden ausliefert und danach noch eine niederländische Fahrt übernimmt, bevor er nach Hause fährt: Das ist Kabotage.

 

Es klingt nach etwas, das in einem einheitlichen europäischen Markt frei sein sollte, ist es aber bewusst nicht. Kabotage ist aus zwei Gründen reguliert. Erstens für gleiche Wettbewerbsbedingungen: Ohne Regeln könnten Transporteure aus Ländern mit niedrigeren Kosten unbegrenzt Inlandsfahrten in teureren Ländern übernehmen. Zweitens, um Ausbeutung vorzubeugen, da Fahrer sonst monatelang von einem Land ins nächste fahren würden, ohne nach Hause zurückzukehren. Die Regeln suchen eine Balance: Ausländische Transporteure dürfen am Inlandsmarkt teilnehmen, aber innerhalb klarer Grenzen.

 

Die Regeln in einfacher Sprache

 

Die Verbindung mit einer internationalen Lieferung

 

Kabotage steht nie für sich allein. Ein Transporteur darf Inlandsfahrten in einem anderen Land erst durchführen, nachdem er dort eine internationale Ladung ausgeliefert hat. Sie ist also immer eine Anschlussfahrt nach einer grenzüberschreitenden Beförderung, keine eigenständige Tätigkeit.

 

Drei Fahrten in sieben Tagen, dann vier Tage Karenzzeit

 

Nach dieser internationalen Lieferung gilt der Kern der Regel: Ein Transporteur darf mit demselben Fahrzeug höchstens drei Inlandsfahrten innerhalb von sieben Tagen durchführen. Danach folgt eine Karenzzeit von vier Tagen: In demselben Land darf er mit diesem Fahrzeug vier Tage lang keine neue Kabotagefahrt übernehmen.

 

Schritt Was erlaubt ist Grenze
1. Internationale Fahrt Ladung über die Grenze ausliefern Von oder in die EU, Norwegen oder Island
2. Kabotage Inlandsfahrten übernehmen Max. 3 Fahrten in 7 Tagen, dasselbe Fahrzeug
3. Karenzzeit Keine Kabotage in diesem Land 4 Tage, dasselbe Fahrzeug

 

Eine praktische Nuance für den Fahrzeugtransport: Eine Lieferung mit mehreren Ablieferadressen auf derselben Fahrt zählt als eine Kabotagefahrt, nicht als drei. Die Europäische Kommission empfiehlt allerdings, dies auf einem einzigen CMR-Frachtbrief mit allen Ablieferadressen festzuhalten, da manche Länder andernfalls jeden Frachtbrief als eigene Fahrt zählen.

 

Was das Mobilitätspaket geändert hat

 

Diese Zahlen sind nicht frei erfunden. Das EU-Mobilitätspaket hat die bestehenden Kabotageregeln verschärft und seit dem 21. Februar 2022 diese Karenzzeit von vier Tagen hinzugefügt. Ziel war es, Konstruktionen zu unterbinden, bei denen Lkw dauerhaft in einem anderen Land unterwegs blieben. In der Praxis bedeutet das, dass ein ausländischer Transporteur nicht unbegrenzt Inlandsfahrten aneinanderreihen kann.

 

Gleichzeitig änderte sich etwas Unauffälligeres, das aber ins Gewicht fällt: Seit dem 2. Februar 2022 gilt ein Fahrer, der Kabotage durchführt, als entsandter Arbeitnehmer. Er fällt dann unter die Lohn- und Arbeitsbedingungen des Landes, in dem er fährt, etwa den dortigen Mindestlohn einschließlich Überstunden und bezahlten Urlaub. Das macht Kabotage nicht nur begrenzter, sondern auch verwaltungsaufwendiger und teurer.

 

Warum das Autounternehmen betrifft (nicht nur Transporteure)

 

Für einen Transporteur ist das Alltag. Für Sie als Auftraggeber bleibt es meist unsichtbar, bis es Ihre Lieferzeit oder Ihren Preis berührt. Das geschieht auf drei Wegen.

 

Es steckt in Ihrer Lieferzeit

 

Ein Transporteur, der seine drei Kabotagefahrten in einem Land ausgeschöpft hat, kann Ihren Transport nicht einfach als vierte Fahrt mitnehmen. Er muss erst über die Grenze oder die Karenzzeit abwarten. Was wie „der Lkw steht doch schon da" aussieht, kann sich dadurch trotzdem um einen Tag oder länger verschieben.

 

Es steckt in der verfügbaren Kapazität auf einem Korridor

 

Auf stark befahrenen internationalen Routen bestimmt die Kabotage mit, wie viele Fahrzeuge zu einem bestimmten Zeitpunkt für Inlandsfahrten verfügbar sind. Zusammen mit anderen Planungsfaktoren, etwa Fahrverboten auf europäischen Routen, schrumpft oder wächst die Kapazität von Tag zu Tag. Als Auftraggeber merken Sie das erst, wenn ein Korridor „voll" ist.

 

Es steckt in Ihrem Preis

 

Der größte versteckte Kostenpunkt ist der Leerkilometer. Wenn ein Transporteur wegen der Kabotageregeln leer zurückfahren muss, statt eine Rückladung mitzunehmen, zahlt jemand für diese Leerkilometer, und das erscheint am Ende im Transportpreis. Es ist derselbe Mechanismus, der auch dabei mitspielt, was diese Kilometer wirklich kosten an Maut und Kraftstoff. Hinzu kommen der zusätzliche Verwaltungsaufwand und die Entsenderegeln: Auch sie machen eine Kabotagefahrt teurer, als es auf den ersten Blick scheint.

 

Ein konkretes Beispiel

 

Nehmen Sie eine Fahrt von Zwolle nach Wien. Ein Transporteur liefert dort eine Ladung Fahrzeuge aus. In Österreich darf er nun bis zu drei Inlandsfahrten innerhalb von sieben Tagen übernehmen, zum Beispiel Wien–Graz, Graz–Linz, Linz–Salzburg. Danach ist sein Kabotagespielraum in Österreich erschöpft: Eine vierte österreichische Fahrt ist nicht erlaubt, und mit demselben Fahrzeug gilt eine Karenzzeit von vier Tagen.

 

Wenn Sie am fünften Tag ein Fahrzeug von Salzburg nach Wien fahren lassen möchten, kann genau der Lkw, der zufällig in der Nähe steht, das nicht tun. Nicht weil der Fahrer keine Zeit hätte, sondern weil die Regeln es nicht zulassen. Ein guter Planer berücksichtigt das im Voraus; ein schwächerer merkt es erst, wenn die Lieferung ins Stocken gerät.

 

Wie kluge Orchestrierung die Komplexität auffängt

 

Die Kabotageregeln selbst im Blick zu behalten, pro Land und pro Fahrzeug, ist eine Aufgabe für sich. Als Autounternehmen müssen Sie das nicht. Wir gleichen jede Fahrt mit unserem Netzwerk von Transporteuren ab, sodass der Lkw, der Ihr Fahrzeug befördert, dies auch regelkonform und kosteneffizient tun kann. Unser Spotfilling-Algorithmus verringert Leerkilometer, indem er die richtige Fahrt mit dem richtigen Transporteur verbindet, über Tausende Fahrten zugleich. Kabotage ist dann keine Blockade mehr, sondern einer der Faktoren, die wir bei der Zuordnung berücksichtigen.

 

Häufig gestellte Fragen

 

Ist Kabotage innerhalb der EU erlaubt? Ja, aber unter Bedingungen. Ein Transporteur aus einem anderen Land darf Inlandsfahrten durchführen, jedoch nur im Anschluss an eine internationale Lieferung und innerhalb der festgelegten Grenzen.

 

Wie viele Kabotagefahrten sind zulässig? Bis zu drei Inlandsfahrten innerhalb von sieben Tagen nach einer internationalen Lieferung. Danach gilt eine Karenzzeit.

 

Was ist die Karenzzeit? Nach den Kabotagefahrten darf ein Transporteur in diesem Land mit demselben Fahrzeug vier Tage lang keine neue Kabotagefahrt übernehmen. Die Regel soll eine dauerhafte Präsenz ausländischer Lkw verhindern.

 

Zählt eine Fahrt mit mehreren Ablieferadressen als mehrere Kabotagefahrten? Nein. Eine Lieferung mit mehreren Stopps auf derselben Fahrt zählt als eine Kabotagefahrt. Es empfiehlt sich jedoch, dies auf einem einzigen CMR-Frachtbrief mit allen Ablieferadressen festzuhalten, da manche Länder andernfalls jeden Frachtbrief als eigene Fahrt zählen.

 

Gilt Kabotage auch speziell für den Fahrzeugtransport? Ja. Die Kabotageregeln gelten für den Güterkraftverkehr im Allgemeinen, und der Fahrzeugtransport fällt darunter. Für Sie als Auftraggeber zeigt sich das vor allem in Lieferzeit, verfügbarer Kapazität und Preis auf grenzüberschreitenden Routen.

 

Was das für Ihren nächsten grenzüberschreitenden Transport bedeutet

 

Kabotage ist eine Regel, die Sie nicht selbst kennen müssen, um von ihr betroffen zu sein oder sie klug zu nutzen. Wir behalten die Regeln im Blick und ordnen jede Fahrt so zu, dass Kapazität und Preis stimmen. Buchen Sie einen Transport, sehen Sie, wie Transporteure in unserem Netzwerk mit uns zusammenarbeiten, oder kontaktieren Sie uns, um Ihre Route zu besprechen.