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Wird Ihr Autohaus in der Antwort von ChatGPT erwähnt

Während Käufer früher bei Google suchten, wenden sie sich heute an ChatGPT um Rat. Das verändert, welche Autohäuser überhaupt auf die Auswahlliste gelangen – lange bevor ein Kunde erstmals Kontakt aufnimmt.

 

Probieren Sie es selbst aus. Öffnen Sie ChatGPT, Perplexity oder den KI-Modus von Google und geben Sie ein: Welcher Autohändler in meiner Region ist zuverlässig für einen gebrauchten Volkswagen Golf um die 15.000 €? Ergänzen Sie den Ort, in dem sich Ihr Betrieb befindet.

Wird Ihr Unternehmen genannt? Erscheinen Sie in der Antwort? Oder tauchen drei bis vier Wettbewerber auf – nur Sie selbst nicht?

Für die meisten Autohäuser ist das eine neue Frage, die sich noch vor zwei Jahren nicht gestellt hat.  Heute entscheidet sie mit darüber, wer überhaupt noch auf die Shortlist eines Käufers kommt.

 

Von der Suchanfrage zur Beratungsfrage

Vor zehn Jahren begann ein Autokauf meist mit einer konkreten Suchanfrage: Volkswagen Golf 2018 kaufen. Google lieferte Anzeigen, Händler-Websites und Vergleichsportale. Der Käufer klickte, verglich, rief an, besuchte.

 

Heute beginnt derselbe Käufer häufiger mit einer offenen Beratungsfrage: Was ist das zuverlässigste Familienauto unter 20.000 € mit weniger als 80.000 Kilometern? Die Antwort kommt nicht mehr als Linkliste. Sie kommt von einem KI-System, das sofort eine Zusammenfassung, einen Vergleich oder eine Auswahlliste erstellt.

 

Dieser Unterschied ist mehr als nur oberflächlich. Die Absicht des Käufers hat sich verschoben: von „Ich suche Angebote“ zu „Ich brauche Orientierung“. Genau das verändert, welche Anbieter in der frühen Phase der Kaufreise überhaupt noch eine Rolle spielen.

 

Google bleibt – aber in einer anderen Rolle

Google ist weiterhin ein zentraler Ausgangspunkt. In der belgischen Google/Kantar-Studie aus dem Jahr 2024 nutzten 79 % der Neuwagenkäufer die Suche als Online-Quelle, 66 % nutzten Videos. Bei Gebrauchtwagen dürften diese Werte ähnlich oder höher liegen, denn der Informationsbedarf ist dort meist größer.

 

Doch Googles Rolle verändert sich. Seit 2024 zeigen Google AI Overviews über vielen Suchergebnissen eine von KI generierte Antwort. Der Nutzer muss nicht mehr zwingend klicken. Der Vergleich beginnt bereits vor dem ersten Website-Besuch. Cox Automotive berichtet in der „2025 Car Buyer Journey Study“, dass 19 % aller Autokäufer und 25 % der Neuwagenkäufer während ihrer Recherche entweder KI-Websites wie ChatGPT, Copilot oder Gemini oder KI-Übersichten nutzten. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil noch nahezu bei null.

 

Das ist keine langsame Verschiebung. Es ist eine Akzeptanzkurve, die steiler verläuft als jene des mobilen Internets oder des E-Commerce.

 

KI als neuer Berater

Die Anwendungsfälle sind konkret. Käufer nutzen KI vor allem für drei Aufgaben:

 

  1. Modellvergleich. 44 % der KI-Nutzer im CarGurus Consumer Insights Report 2025 nutzten KI, um Fahrzeuge miteinander zu vergleichen – nicht nur nach technischen Daten, sondern auch nach Wartungskosten, Zuverlässigkeit und Gesamtbetriebskosten.

  2. Zusammenfassung von Bewertungen. 39 % ließen KI Tausende Bewertungen auf eine überschaubare Einschätzung verdichten. Wer früher eine Stunde mit YouTube-Tests und Erfahrungsberichten verbrachte, braucht dafür heute oft nur wenige Minuten.

  3. Erstellung einer Auswahlliste. 40 % nutzten KI, um Angebote nach einem differenzierten Profil zu filtern – genau jene Art von Frage, für die man früher den technisch versierten Onkel angerufen hätte.

Die Cars.com-Umfrage vom November 2025 ergab, dass 44 % der US-Verbraucher inzwischen KI-gestützte Suchtools auf Marktplätzen nutzten. 97 % gaben an, KI werde ihre Kaufentscheidung beeinflussen. Für Europa sind die Zahlen noch lückenhaft. McKinsey stellte Anfang 2026 jedoch fest, dass 38 % der Verbraucher in Frankreich, Deutschland und Großbritannien KI bei Kaufentscheidungen einsetzen. 63 % davon nutzten sie speziell zum Vergleichen.

 

Das Grundmuster ist klar: KI verkürzt wochenlange Recherche auf wenige Stunden.

 

Von SEO zu AEO und GEO

Für Autohäuser hat diese Entwicklung praktische Folgen, die sich in den kommenden zwölf Monaten deutlich zeigen werden.

Das alte Spielfeld hieß SEO: nach Suchbegriffen ranken, Links sammeln, möglichst weit oben in der Google-Liste erscheinen. Das neue Spielfeld heißt Answer Engine Optimization (AEO) oder Generative Engine Optimization (GEO): in KI-Antworten genannt werden.

Damit verändern sich die Anforderungen an Ihre Online-Präsenz grundlegend. Statt Keyword-Dichte zählen nun andere Faktoren:

  • Strukturierte Daten. Schema.org-Markup für Fahrzeuge, aktuelle Preise, Spezifikationen und Garantien. Was nicht maschinell lesbar ist, bleibt für KI-Systeme leicht unsichtbar.
  • Faktische Zuverlässigkeit. KI-Systeme bevorzugen Quellen, die sie als belastbar erkennen. Eine Website voller Marketing-Superlative wird seltener zitiert als eine Seite mit klaren, überprüfbaren Fakten.
  • Vergleichbarkeit. KI vergleicht ständig. Wer sein Angebot nicht nachvollziehbar gegenüber Alternativen positioniert, wird von einem System, das sehr wohl vergleicht, leicht übergangen.
  • Reputationssignale von Dritten. Das BOVAG-Gütesiegel, unabhängige Bewertungen und Zertifizierungen sind Signale, die KI-Systeme als Vertrauensindikatoren erkennen können.

Cars.com meldete im September 2025, es sei der am häufigsten zitierte Automobilmarktplatz in ChatGPT, Google AI Overviews und Google AI Mode gewesen – doppelt so häufig wie der Zweitplatzierte. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Daten, die strukturiert, überprüfbar und zitierfähig aufbereitet wurden.

 

Gewinner und Verlierer

Das Muster zeichnet sich bereits ab:

 

Sichtbar bleiben:

  • Unternehmen mit umfangreichen, aktuellen Bestandsdaten und klaren Filtern
  • Anbieter mit unabhängig verifizierten Reputationssignalen wie BOVAG-Gütesiegel, BOVAG Import Tellercheck, NAP-Registrierung und Kundenbewertungen auf unabhängigen Plattformen
  • Websites, die Informationen strukturieren, statt sie hinter Marketingformulierungen zu verstecken

Gefahr, zu verschwinden:

  • Angebote ohne Kontext oder Verifizierung. Ein Preis und ein Foto reichen nicht mehr aus
  • Rein werbliche Seiten ohne tatsächlichen Informationswert
  • Inhalte, die zwar Besucher überzeugen sollen, einer KI aber nichts Zitierfähiges liefern

Auffällig ist auch, was nicht verschwindet: der physische Schritt. In der BOVAG-Kundenreise 2025 besuchen 53 % der niederländischen Gebrauchtwagenkäufer nur noch ein Autohaus. Aber sie besuchen es weiterhin. Die IfA/AutoScout24-Studie zum Gebrauchtwagenkauf 2024 ergab, dass sich nur 20 % der deutschen Gebrauchtwagenkäufer einen vollständig online abgewickelten Kauf vorstellen können. Der Händler verschwindet also nicht. Seine Rolle verschiebt sich: von der ersten Informationsquelle zum Validierungspunkt.

 

Und Freunde und Familie? Sie bleiben, wie seit Jahrzehnten, die vertrauenswürdigste Quelle bei einer Kaufentscheidung mit hoher Tragweite. KI ersetzt das Gespräch am Küchentisch nicht. Sie verändert seinen Inhalt. Nicht mehr: „Welche Marke soll ich kaufen?“, sondern: „Meine KI hat mir diese drei vorgeschlagen – was meinst du?“

 

Was Sie konkret testen können

Der einfachste Selbsttest dauert fünf Minuten:

  1. Öffnen Sie ein LLM wie ChatGPT, Claude, Gemini, Mistral oder den Google-KI-Modus
  2. Geben Sie drei Fragen ein, die Ihr idealer Kunde stellen würde, zum Beispiel: „Zuverlässiges Autohaus für Gebrauchtwagen in [Ihrem Ort]“, „Wo kann ich sicher einen gebrauchten Hybrid in [Ihrer Region] kaufen?“ oder „Welcher BOVAG-Händler in [Ihrem Ort] hat gute Bewertungen?“
  3. Prüfen Sie, welche Unternehmen genannt werden
  4. Wenn Ihr Unternehmen nicht erscheint, liegt genau dort Ihre Aufgabe für die kommenden Monate

Fazit

Der Kampf um Sichtbarkeit in der ersten Phase der Customer Journey verlagert sich von Google-Positionen zu KI-Antworten. Für Autohäuser bedeutet das: Der technische SEO-Reflex der vergangenen fünfzehn Jahre reicht allein nicht mehr aus.

 

Das heißt nicht, dass Google verschwindet oder KI alles übernimmt. Google bleibt, aber als Ebene, über der KI bereits Zusammenfassungen liefert. Marktplätze bleiben, sofern ihre Daten maschinenlesbar und überprüfbar sind. Auch Ihr Unternehmen bleibt – aber oft erst als Endpunkt einer Shortlist, die anderswo erstellt wurde.

 

Wer in KI-Antworten nicht genannt wird, ist nicht im absoluten Sinne unsichtbar. Aber er wird in genau jener Phase übergangen, in der die Auswahlliste entsteht. Und ein Käufer, der mit drei Wettbewerbern im Kopf durch die Tür kommt, ist bereits zu zwei Dritteln verloren.

Das ist die stille Revolution: keine Disruption mit lautem Knall, sondern eine schrittweise Neuordnung der Frage, wer überhaupt noch ins Spiel kommt.

 


Dieser Artikel basiert auf der Cox Automotive Car Buyer Journey Study 2025, dem CarGurus Consumer Insights Report 2025, der Cars.com AI in Car Shopping Consumer Survey (November 2025), der IfA/AutoScout24-Studie Gebrauchtwagenkauf 2024, der BOVAG-Kundenreise Auto 2025, der Google/Kantar-Consumer-Journey-Studie Belgien (2024) und der McKinsey-Agentic-Commerce-Analyse (2026).