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Bezahlbare Gebrauchtwagen in Europa: Wo liegt die Nachfrage, und wie reagieren Sie darauf?

Der Gebrauchtwagenmarkt wächst weiter, doch die Erschwinglichkeit bestimmt zunehmend, wer welches Fahrzeug kaufen kann. Landesweite Durchschnittspreise sagen dabei zu wenig aus. Der Unterschied zwischen Einkommen, tatsächlich gezahltem Preis und Finanzierungslast bestimmt den wirklichen Markt. Erschwinglichkeit bestimmt zunehmend, wo Nachfrage entsteht. Bestand, Finanzierung und Logistik bestimmen gemeinsam, ob Sie diese Nachfrage schnell und gewinnbringend bedienen können. Wer beide Seiten im Blick hat, liegt vorn gegenüber allen, die nur auf die durchschnittlichen Verkaufspreise schauen.

 

Kurz zusammengefasst:

 

  • Deutschland: Der auffälligste Befund ist, wie stark sich das Preisbild je nach Maßstab unterscheidet. Durchschnittlich €27.787 inseriert gegenüber €18.310 tatsächlich gezahlt laut Käuferbefragung, zwei Zahlen, die nicht eins zu eins vergleichbar sind. Für Händler lautet die Lehre: Einkauf und Preisgestaltung auf die Transaktionsrealität stützen, nicht ausschließlich auf Plattformpreise. Die Finanzierung spielt dabei zusätzlich eine große Rolle.
  • Frankreich: Gebrauchtwagen belasten das Haushaltsbudget relativ stark. Gleichzeitig liegt der Durchschnittspreis gebrauchter E-Autos schon nahe am Durchschnitt des gesamten Gebrauchtwagenmarkts. Das kann Chancen für bezahlbare Elektro-Gebrauchtwagen schaffen.
  • Niederlande: Im Durchschnitt wirken Gebrauchtwagen vergleichsweise gut bezahlbar, doch diese Zahl verdeckt große Einkommensunterschiede. Für niedrigere und mittlere Einkommen ist ein durchschnittlicher Gebrauchtwagen von gut €24.000 keine Selbstverständlichkeit. Für die kommerzielle Segmentierung kann das Monatsbudget deshalb aussagekräftiger sein als allein der durchschnittliche Kaufpreis.

 

Was in Europa außerdem auffällt: Polen bleibt wichtig für den Absatz westeuropäischer Gebrauchtwagen. Dänemark importiert auffällig viele junge gebrauchte Elektroautos und exportiert zugleich viele ältere Verbrenner. Das deutet auf immer deutlichere grenzüberschreitende Verschiebungen zwischen Fahrzeugtypen, Altersklassen und Preissegmenten hin.

 

Wichtigste kommerzielle Erkenntnis: Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht einfach im günstigeren Angebot. Er liegt darin, besser zu verstehen, was ein bestimmter Käufer monatlich tragen kann, dafür den passenden Bestand zu finden, transparente Finanzierung anzubieten und das Fahrzeug schnell in den richtigen Markt zu bringen.

 

Warum ein landesweiter Durchschnitt die falsche Frage beantwortet

 

In den Niederlanden wuchs der Gebrauchtwagenmarkt 2025 um 3,7%; Deutschland und Frankreich verzeichneten mit 0,5% beziehungsweise 0,9% ein deutlich bescheideneres Wachstum. Der Markt wächst also, doch ein Durchschnittspreis sagt Ihnen nicht, wer dieses Fahrzeug tatsächlich kauft und zu welchem Preis. Deutschland zeigt das am deutlichsten: Der durchschnittlich inserierte Betrag liegt dort erheblich höher als das, was Käuferbefragungen als tatsächlich gezahlten Preis erfassen, auch wenn beide Quellen nicht exakt dieselben Fahrzeuge und Vertriebskanäle messen. Wer sich am falschen Durchschnitt orientiert, kalkuliert sich aus dem Markt heraus oder lässt Marge liegen, in Deutschland am deutlichsten, aber ebenso in Frankreich und den Niederlanden.

 

Deutschland: die Kluft zwischen Angebotspreis und gezahltem Preis

 

Deutschland zeigt am deutlichsten, wie stark sich das Bild je nach verwendetem Preismaßstab verändert. AutoScout24 verzeichnete für 2025 einen durchschnittlichen Angebotspreis von €27.787, während deutsche Gebrauchtwagenkäufer laut DAT Report im selben Jahr durchschnittlich €18.310 für ihr Fahrzeug bezahlten. Diese Beträge sind nicht eins zu eins vergleichbar: AutoScout24 misst das Angebot auf der Plattform; DAT befragt Käufer dazu, was sie tatsächlich erworben haben, mit einer anderen Zusammensetzung nach Alter, Marke und Vertriebskanal. Für Händler ist genau das relevant: Wer nur auf Plattformpreise schaut, erhält kein vollständiges Bild des Preisniveaus, auf dem Transaktionen tatsächlich stattfinden.

 

Finanzierung macht diesen Unterschied relevanter, nicht kleiner. 49% der deutschen Gebrauchtwagenkäufe werden inzwischen ganz oder teilweise finanziert. 44% der deutschen Autobesitzer befürchten, das Fahrzeug auf Dauer nicht mehr bezahlen zu können. Die Lehre für Händler ist konkret: Einkauf und Preisgestaltung auf die Transaktionsrealität stützen, nicht ausschließlich auf Plattformpreise. Wer Einkauf und Angebot auf das Preisniveau abstimmt, zu dem tatsächlich gekauft wird, baut Vertrauen auf, wo Wettbewerber noch am durchschnittlichen Angebotspreis festhalten.

 

Frankreich: schwer für das Haushaltsbudget, leicht für Elektro

 

Auf Basis des französischen Nettomedianeinkommens von rund €2.093 pro Monat kostet der durchschnittliche Gebrauchtwagen 9,6 Monatsgehälter. Das ist mehr als in den Niederlanden und mehr, als der durchschnittliche Deutsche tatsächlich bezahlt. Gebrauchtwagen belasten das französische Haushaltsbudget also relativ stark. Gleichzeitig verzeichnete La Centrale für gebrauchte Elektrofahrzeuge einen Durchschnittspreis von rund €20.955, kaum höher als die €19.999 durchschnittlicher Gebrauchtwagenpreis für das vierte Quartal 2025.

 

Diese beiden Tatsachen zusammen schaffen eine Chance. Während ein gewöhnlicher Gebrauchtwagen für den französischen Käufer bereits teuer ist, liegt der Durchschnittspreis eines gebrauchten Elektrofahrzeugs kaum höher als der Durchschnitt des gesamten Gebrauchtwagenmarkts. Das kann Chancen für Händler schaffen, die sich früh auf bezahlbare Elektro-Gebrauchtwagen positionieren, gerade weil dieser Preisunterschied etwa im Vergleich zu Deutschland noch gering ist. Sobald andere Anbieter das erkennen, schwindet die Marge schnell.

 

Niederlande: ein Durchschnitt, der die tatsächlichen Unterschiede verbirgt

 

Auf dem Papier wirken die Niederlande günstig. Bei einem OECD-Durchschnittsnettolohn von rund €4.150 pro Monat kostet der durchschnittliche Gebrauchtwagen (€24.334, AutoScout24) nur 5,9 Monatsgehälter. Auf Basis dieses Einkommensmaßstabs stehen die Niederlande im Vergleich zu den anderen untersuchten Ländern relativ gut da; der Vergleich verwendet jedoch je Land eine leicht andere Einkommensdefinition (nationaler Nettomedian versus OECD-Durchschnitt), sodass die Rangfolge indikativ ist und keine exakte Messung. Dieser Durchschnitt verdeckt zudem große Einkommensunterschiede innerhalb der Niederlande selbst. Zur Veranschaulichung: Wer €2.000 netto im Monat verdient und davon 10% zurücklegt, spart in fünf Jahren €12.000. Das ist noch nicht die Hälfte des durchschnittlichen AutoScout24-Angebotspreises von €24.334. Für niedrigere und mittlere Einkommen ist ein Gebrauchtwagen von gut €24.000 daher keine Selbstverständlichkeit, auch wenn die landesweite Zahl günstig wirkt.

 

Für die kommerzielle Segmentierung kann das Monatsbudget deshalb aussagekräftiger sein als allein der durchschnittliche Kaufpreis. Wer Bestand, Garantiebedingungen und Finanzierungsprodukte danach einteilt, was ein Kunde tatsächlich im Monat entbehren kann, erschließt einen Teil der Nachfrage, der sonst durchs Raster fällt.

 

Grenzüberschreitende Verschiebungen: Polen und Dänemark zeigen, wohin das führt

 

Polen bleibt ein wichtiger Absatzmarkt für gebrauchte Fahrzeuge aus Westeuropa. 2025 wurden dort 857.600 importierte Gebrauchtwagen registriert, 2,8% weniger als im Jahr zuvor. Dänemark zeigt ein anderes Bild. Dort wurden 2025 immerhin 78.100 gebrauchte, vollelektrische Fahrzeuge importiert, mit einem Durchschnittsalter von nur 2,4 Jahren. Gleichzeitig besteht der Abfluss vor allem aus älteren Benzin- und Dieselfahrzeugen. Von den Anträgen auf Rückerstattung der Exportsteuer entfielen 60% auf Dieselfahrzeuge und 34% auf Benziner.

 

Diese Entwicklung zeigt, dass sich der europäische Gebrauchtwagenmarkt zunehmend über Landesgrenzen hinweg verschiebt. Je Land verändert sich nicht bloß die Fahrzeuganzahl: Auch Fahrzeugtyp, Alter und Preissegment verschieben sich. Manche Länder ziehen vor allem junge Elektro-Gebrauchtwagen an, während ältere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gerade ausgeführt werden.

 

Auch anderswo bleibt der Gebrauchtwagenmarkt dominant. In Belgien wurden 2025 734.165 Gebrauchtwagen registriert, das entspricht 63,9% des gesamten Pkw-Marktes. Spanien zeigt zudem, wie schnell sich Preisentwicklungen umkehren können. Während der Hauptbericht für 2025 noch steigende Preise für ältere spanische Gebrauchtwagen meldete, zeigen aktuellere Zahlen von GANVAM-DAT, dass Fahrzeuge ab zehn Jahren in der ersten Hälfte 2026 gerade rund 4% günstiger wurden.

 

Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht im günstigeren Preis, sondern in der besseren Passung

 

Die Zahlen oben weisen alle in dieselbe Richtung. Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht einfach im günstigeren Angebot. Er liegt darin, besser zu verstehen, was ein bestimmter Käufer monatlich tragen kann, dafür den passenden Bestand zu finden, transparente Finanzierung anzubieten und das Fahrzeug schnell in den richtigen Markt zu bringen.

 

Ein Rechenbeispiel zeigt, wie sich das auswirkt, für denselben deutschen Gebrauchtwagen zu €27.787, auf Basis eines repräsentativen deutschen Autokreditzinses von 5,39% effektiv (Santander/Openbank). Bei 20% Anzahlung (€5.557) und 48 Monaten Laufzeit finanzieren Sie €22.230. Die monatliche Rate liegt dann bei €515, mit €2.470 an Finanzierungskosten (Zinsen zuzüglich eventueller Produktkosten) oberhalb der geliehenen Hauptsumme.

 

Entscheiden Sie sich für 10% Anzahlung (€2.779) und 60 Monate Laufzeit, finanzieren Sie eine höhere Hauptsumme von €25.008. Die monatliche Rate sinkt auf €475, doch die Finanzierungskosten steigen auf €3.488. Es handelt sich also um zwei Rechenszenarien für dasselbe Fahrzeug, nicht um denselben Kredit: Eine niedrigere Anzahlung und eine längere Laufzeit senken die monatliche Belastung, erhöhen aber, was Sie insgesamt an Zinsen und Kosten zahlen.

 

Erschwinglichkeit bestimmt die Nachfrage. Bestand, Finanzierung und Logistik bestimmen, ob Sie sie bedienen

 

Zurück zum Kern: Erschwinglichkeit bestimmt zunehmend, wo Nachfrage entsteht. Bestand, Finanzierung und Logistik bestimmen gemeinsam, ob Sie diese Nachfrage schnell und gewinnbringend bedienen können. Der Händler, der weiß, dass Plattformpreis und tatsächlich gezahlter Preis in Deutschland auseinanderklaffen, oder dass sich hinter dem niederländischen Durchschnitt große Unterschiede im verfügbaren Autobudget verbergen, hat die erste Hälfte dieser Geschichte bereits erfasst. Die zweite Hälfte handelt davon, wie Sie diese Nachfrage tatsächlich bedienen: mit Bestand, der zu dem passt, was der Käufer tragen kann, mit Finanzierung, die diesen Unterschied transparent macht, und mit der Geschwindigkeit, das Fahrzeug rechtzeitig an den richtigen Ort zu bringen.

 

Häufig gestellte Fragen

 

Werden Gebrauchtwagen in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich teurer?
Nicht überall und nicht auf dieselbe Weise. In Deutschland hat sich das Verhältnis von Preis zu Einkommen seit 2019 um 13,4% verschlechtert, wobei ab 2023 bereits eine gewisse Erholung einsetzte. Für Frankreich und die Niederlande ist dieser Vergleich mit 2019 methodisch schwieriger herzustellen, da die verwendeten Preisquellen zwischenzeitlich geändert wurden. Klar ist: der Preisdruck bei neuen E-Autos wirkt sich auf den Gebrauchtwagenmarkt aus, und das betrifft auch das Angebot an gebrauchten Elektrofahrzeugen.

 

Was ist der Unterschied zwischen Angebotspreis und gezahltem Preis?
Der Angebotspreis ist das, was auf einer Plattform wie AutoScout24 verlangt wird. Der gezahlte Preis ist das, was Käufer laut unabhängigen Untersuchungen, etwa der deutschen DAT-Käuferbefragung, tatsächlich bezahlen. Diese beiden Beträge können deutlich auseinandergehen, wie der deutsche Markt zeigt, auch wenn sie nicht exakt dieselben Fahrzeuge oder Vertriebskanäle messen.

 

Warum ist bessere Passung eine stärkere Strategie als ein günstigerer Preis?
Ein günstigerer Preis lässt sich heute senken und muss morgen wieder verteidigt werden. Bessere Passung bedeutet Bestand und Finanzierung, die auf das abgestimmt sind, was ein bestimmter Käufer monatlich tragen kann. Das baut Vertrauen auf, das nicht sofort wegkonkurriert wird. Händlermargen stehen bereits durch günstigere Neuwagen unter Druck, und transparente Finanzierung ist einer der wenigen Hebel, an denen Sie als Händler selbst drehen können.

 


 

Quellen: DAT Report 2026, AutoScout24 europäische Jahresanalyse 2025, La Centrale Preisobservatorium Q4 2025, INSEE (Frankreich, 2024), Destatis (Deutschland, 2025), BOVAG/RDC, TRAXIO, OECD Taxing Wages 2026, ACEA „Vehicles on European roads 2026", AutoUncle und Danmarks Statistik (Dänemark), GANVAM-DAT (Spanien, H1 2026).