Die Maut in Europa ist keine feste Größe mehr. Laut dem Branchenverband IRU lagen die Mautkosten für einen Referenz-Lkw Mitte September 2026 rund 17 % über dem Stand von Anfang 2023, und irgendwo in Europa ändert sich regelmäßig etwas. 2026 kamen unter anderem in den Niederlanden, in Flandern, in Bulgarien und in Rumänien neue Tarife oder Systeme hinzu. Zum 1. Januar 2027 folgt die nächste Welle. In diesem Überblick lesen Sie, was sich bereits geändert hat, was ansteht und was Sie als Transportpartner jetzt regeln können.
Vier Systeme nebeneinander
Eine europäische Maut gibt es nicht. Die Länder wählen ihr eigenes System, und laut IRU bestehen vier Varianten nebeneinander: keine Maut, eine Kilometerabgabe, eine Vignette für einen festen Zeitraum und Mautstellen mit Tarifen pro Standort. In vielen Ländern ist die Entwicklung allerdings ähnlich: mehr Kilometerabgaben und mehr Gewicht für CO₂.
Das zeigt sich im Aufbau des Tarifs. Ein Kilometertarif besteht aus einem Beitrag zur Infrastruktur, einer Abgabe für Luftverschmutzung, teils einer Lärmkomponente und einer CO₂-Komponente. Seit dem 25. März 2026 muss auf mautpflichtigen Straßen eine Abgabe für Luftverschmutzung erhoben werden, wobei es Ausnahmen gibt. Der CO₂-Anteil hängt von der CO₂-Klasse Ihres Lkw ab, von Klasse 1 (am teuersten) bis Klasse 5 (emissionsfrei).
In Deutschland beträgt die Lkw-Maut für eine Euro-VI-Kombination über 32 Tonnen in CO₂-Klasse 1 0,348 € pro Kilometer. Davon entfallen rund 45 % auf CO₂ und rund 45 % auf die Infrastruktur. Pro Kilometer wiegt das CO₂ also ungefähr so schwer wie die Straße selbst. Seit dem 1. Juli gilt eine solche CO₂-Differenzierung auch in den Niederlanden und in Flandern.
Bitte beachten Sie, dass alle Beträge in diesem Artikel für genau diese eine Referenz gelten: Euro VI, über 32 Tonnen, fünf Achsen, CO₂-Klasse 1. Fahren Sie ein anderes Fahrzeug, weicht der Tarif ab. In den Tariftabellen, die wir eingesehen haben, fanden wir keine eigene Mautklasse für einen Autotransporter. Es gilt die übliche Kombinationskategorie, sofern Gewicht, Achsen oder Zulassung nicht zu einer anderen Klasse führen.
Was sich 2026 bereits geändert hat
| Land | Was sich geändert hat | Tarif (Referenz) | Status |
| Niederlande | Lkw-Abgabe seit 1. Juli, Eurovignette abgeschafft; seit 1. September befristet 22,3 % Rabatt bis einschließlich 31. Dezember | 0,201 € pro km zum Start, 0,156 € pro km mit Rabatt | In Kraft |
| Belgien | Seit 1. Juli CO₂-Differenzierung in der flämischen Kilometerabgabe | Flandern 0,285 €, Wallonien 0,205 €, Brüssel Autobahn 0,171 €, Brüssel innerstädtisch 0,271 € | In Kraft |
| Bulgarien | Seit 1. Juni eine CO₂-Komponente | Autobahn von 0,18 € auf 0,21 € pro km (rund +17 %) | In Kraft |
| Österreich | Höhere GO-Maut, vor allem durch die CO₂-Komponente | 0,5724 € pro km ohne USt. (+7,65 % gegenüber 2025) | In Kraft |
| Polen | e-TOLL in zwei Schritten erhöht, Netz um rund 645 km erweitert | 0,40 PLN (2025), 0,42 (1. Jan.), 0,56 PLN pro km (1. Feb.), über 12 Tonnen, auf Autobahnen und S-Straßen | In Kraft |
| Rumänien | TollRo ersetzt seit 1. Oktober die Rovinieta für Güterfahrzeuge über 3,5 Tonnen | 0,48 RON pro km auf Autobahnen und Schnellstraßen, 0,24 RON auf übrigen Nationalstraßen (Euro VI, ab 12 Tonnen) | In Kraft |
Zwei Dinge fallen auf. Flandern sticht heraus: Mit 0,285 € pro Kilometer liegt der Tarif durch die CO₂-Komponente deutlich über dem Niveau vor dem 1. Juli. Und die Niederlande zeigen, wie schnell sich ein Tarif verschieben kann: zwei verschiedene Beträge innerhalb eines halben Jahres.
Was sich von Januar bis April 2027 ändert
| Wann | Land | Was | Status |
| 1. Januar | Niederlande | Zurück zu den vollen Tarifen plus 2,6 % Indexierung: 0,206 € pro km | Vorläufig |
| 1. Januar | Litauen | Kilometerabgabe Via Toll mit CO₂-Komponente; durchschnittlich 0,111 € pro km für eine Euro-VI-Zugmaschine über 12 Tonnen mit höchstens drei Achsen | Geplant |
| 1. Januar | Slowakei | Mauterhebung in Eigenregie; SkyToll-Nutzer benötigen ein neues Gerät | Geplant, Rechnungshof kritisch |
| 1. Januar | Frankreich (Elsass) | R-PASS für Güterverkehr über 3,5 Tonnen: 0,146 € pro km für Euro VI über 32 Tonnen | Beschlossen |
| 15. Januar | Rumänien | Interoperabilität über EETS vorgesehen | Geplant |
| 1. März | Kroatien | Mautsystem ohne Mautstellen (Free-Flow), 5,8-GHz-Gerät für schwere Fahrzeuge Pflicht | Gesetz |
| 26. März | Schweden | Straßennutzungsvignette für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen | Gesetz |
| 1. April | Frankreich (übriges Grand Est) | Regionale Abgabe auf Nationalstraßen | Vorläufig |
| Unbekannt | Dänemark, Polen | Ausweitung auf 3,5 Tonnen (DK), CO₂- und Luftschadstoffabgabe (PL) | Noch kein Gesetz |
Niederlande: der Sprung am 1. Januar
Der befristete Rabatt läuft bis einschließlich 31. Dezember. Am 1. Januar sehen Sie also einen Sprung auf Ihrer Rechnung: von 0,156 € auf 0,206 € pro Kilometer, rund +32 %. Das sind etwa 500 € zusätzlich pro 10.000 mautpflichtige Kilometer. Gegenüber dem Starttarif vom 1. Juli (0,201 €) beträgt der Anstieg nur noch 2,6 %. Beide Zahlen stimmen, sie haben lediglich einen anderen Ausgangspunkt.
Beachten Sie, dass der Tarif für 2027 noch vorläufig ist. Eine endgültige Regelung im Staatscourant (dem niederländischen Amtsblatt) haben wir zum 7. Oktober nicht gefunden. Prüfen Sie den Tarif daher kurz noch einmal, bevor Sie planen oder ein Angebot abgeben.
Slowakei und Frankreich: Achten Sie auf Ihr Gerät
In der Slowakei übernimmt der Staat die Mauterhebung selbst. Nutzen Sie ein SkyToll-Gerät, müssen Sie sich neu registrieren und ein neues Gerät beschaffen, bei Czechtoll oder einem EETS-Anbieter. Die Neuregistrierung ist ab dem 1. Dezember vorgesehen. Der slowakische Rechnungshof sieht das Projekt kritisch, warten Sie also nicht bis Januar.
In Frankreich schalten die Mobilfunkbetreiber ihr 2G-Netz spätestens Ende 2026 ab. Ein Gerät, das nur mit 2G oder 3G funktioniert, muss dann auf 4G oder 5G umgestellt werden. Ob das für Ihr Gerät gilt, fragen Sie am besten bei Ihrem Mautanbieter nach.
Was Sie jetzt regeln können
Ein jährlicher Blick im Januar reicht nicht mehr aus. Diese Dinge können Sie innerhalb weniger Wochen angehen:
- Prüfen Sie die CO₂-Klasse jedes Lkw bei Ihrem Mautanbieter. Sie bestimmt einen großen Teil des Tarifs.
- Schauen Sie sich Ihre Geräte an. Haben Sie ein slowakisches Gerät, ein Gerät für Kroatien (5,8 GHz) oder ein Gerät, das nur mit 2G funktioniert, planen Sie den Wechsel, bevor Sie dort fahren.
- Ziehen Sie einen EETS-Anbieter in Betracht, wenn Sie regelmäßig mehrere Länder durchqueren. Ein einziges Gerät kann dann einzelne Geräte und E-Tickets ersetzen, sofern Ihr Anbieter die Gebiete abdeckt, in denen Sie fahren.
- Aktualisieren Sie Ihre Tarife pro Route. Beginnen Sie mit den Ländern, in denen Sie am häufigsten fahren, und prüfen Sie, ob sich dort in diesem Jahr etwas geändert hat, wie in der Tabelle oben.
- Notieren Sie Datum und Status. Einen Tarif, der noch vorläufig ist, geben Sie nicht als sicher weiter.
Was das für Ihren Fahrtpreis bedeutet
Die Maut ist ein Teil Ihrer Kosten, und wie groß dieser Teil ist, hängt von Route, Gewicht, Euro-Klasse und Auslastung ab. Wenn Sie schnell wissen möchten, was eine Strecke kostet, lesen Sie unseren Überblick darüber, was 500 km Maut in Deutschland und Österreich kosten, und unsere Erläuterung der niederländischen Lkw-Maut. Fahren Sie auch innerstaatlich in einem anderen Land als dem, in dem Ihr Unternehmen ansässig ist, spielen außerdem die Regeln zur Kabotage eine Rolle.
Die Maut ist nicht das Einzige, was Ihre Planung bestimmt. Auch Lkw-Fahrverbote in Europa spielen eine Rolle. Wie sich die Preise 2026 zusammensetzen, lesen Sie in was der Autotransport 2026 wirklich kosten wird, und wie eine Fahrt bei uns abläuft, unter so einfach geht's.
Sehen Sie in der Praxis etwas, das von dem abweicht, was hier steht, zum Beispiel einen Tarif oder ein Gerät, das nicht funktioniert, lassen Sie es uns gern wissen. Wir sehen uns das dann an. Sind Sie noch kein Transportpartner, finden Sie mehr Informationen auf unserer Seite für Autotransporteure.
Häufig gestellte Fragen
Warum steigt die Maut in Europa?
Die Länder stellen auf Kilometerabgaben um und rechnen CO₂ und Luftverschmutzung zunehmend mit ein. Der europäische Rahmen schreibt seit dem 25. März 2026 eine Abgabe für Luftverschmutzung vor, mit Ausnahmen. Das ist einer der Gründe, warum die Tarife in vielen Ländern steigen, auch wenn Unterschiede bleiben und es mitunter Senkungen gibt.
Was ändert sich in den Niederlanden zum 1. Januar 2027?
Der befristete Rabatt von 22,3 % endet am 31. Dezember. Für die Referenz bedeutet das einen Tarif von 0,206 € pro Kilometer (vorläufig), nach einer Indexierung von 2,6 %.
Was ist eine CO₂-Klasse?
Eine Einteilung der Lkw von 1 bis 5 nach ihrem CO₂-Ausstoß. Klasse 1 zahlt den höchsten Tarif, Klasse 5 (emissionsfrei) den niedrigsten. Ihr Mautanbieter kann Ihnen sagen, in welche Klasse Ihr Lkw fällt.
Brauche ich ein EETS-Gerät?
Das ist nicht zwingend, kann aber praktisch sein, wenn Sie mehrere Länder durchqueren. Ob ein EETS-Anbieter die Gebiete abdeckt, in denen Sie fahren, klären Sie mit dem Anbieter.
Quelle: Richtlinie (EU) 2022/362 und Richtlinie (EU) 2025/2459 (EUR-Lex). Tarife und Beschlüsse: Vrachtwagenheffing.nl und Staatscourant 2026, Nr. 18058 (Niederlande); Bundesfernstraßenmautgesetz, Anlage 1 (Deutschland); ASFINAG und Mauttarifverordnung (Österreich); Viapass (Belgien); Постановление №64/2026 (Bulgarien); e-TOLL, gov.pl (Polen); Ordinul nr. 1925/2025 und Legea nr. 226/2023 (Rumänien); Collectivité européenne d'Alsace, R-PASS; Région Grand Est; Narodne novine NN 156/2025 (Kroatien); Lag (1997:1137) om vägavgift (Schweden); NDS (Slowakei); Arcep (Frankreich). Mautindex und Anlass dieses Überblicks: IRU, „EU truck tolls: what changed in 2026 and what's coming in 2027", 6. Oktober 2026. Alle Tarife mit Stichtag 7. Oktober 2026; Tarife können nahezu monatlich wechseln.